Wer in Österreich eine Schaltanlage betreibt, ist gesetzlich zur wiederkehrenden Prüfung verpflichtet. Grundlage ist die Elektroschutzverordnung (ESV 2012), die in § 9 die wiederkehrende Prüfung elektrischer Anlagen regelt. Ohne gültige Prüfung darf eine Anlage im Zweifel nicht weiterbetrieben werden, mit entsprechenden Folgen für Versicherungsschutz und Betriebsgenehmigung.
Dieser Beitrag erklärt, was die ESV 2012 konkret verlangt, welche Prüffristen für industrielle Schaltanlagen gelten, und wie sich die wiederkehrende Prüfung von Typprüfung, Stückprüfung und Inbetriebsetzungsprüfung unterscheidet, drei Begriffe, die in der Praxis häufig durcheinandergebracht werden.
Rechtliche Grundlage: ESV 2012
Die Elektroschutzverordnung 2012 (ESV 2012, BGBl. II Nr. 33/2012) verpflichtet Betreiber elektrischer Anlagen zu regelmäßigen Prüfungen. Drei Paragrafen sind dabei zentral.
- § 8 ESV 2012: Prüfung vor Inbetriebnahme, auch nach wesentlicher Änderung oder Instandsetzung
- § 9 ESV 2012: Wiederkehrende Prüfungen während des laufenden Betriebs
- § 10 ESV 2012: Mindestinhalt der Prüfung, mittels Besichtigen, Erproben und Messen
Die genauen Prüffristen richten sich nach der Betriebsanlagengenehmigung und den Vorgaben der Gewerbebehörde. Für industrielle Großanlagen ist ein Intervall von 2 Jahren üblich, bei anderen elektrischen Anlagen gilt grundsätzlich ein Höchstintervall von 5 Jahren. Ausschlaggebend ist im Einzelfall der Bescheid der zuständigen Behörde.
Jede Prüfung ist im Anlagenbuch mit Prüfbefund zu dokumentieren, inklusive Name und Anschrift des Prüfers, Prüfinhalt und Ergebnis. Fehlt das Anlagenbuch, ist eine außerordentliche Prüfung samt Ersatzanlagenbuch erforderlich. Die Prüfprotokolle dienen auch als Nachweis gegenüber Behörden und Versicherungen und sollten daher lückenlos aufbewahrt werden.
Typprüfung, Stückprüfung, Inbetriebsetzung und wiederkehrende Prüfung im Überblick
Diese vier Prüfungsarten begleiten eine Schaltanlage über ihren gesamten Lebenszyklus, von der Entwicklung bis zum laufenden Betrieb, verfolgen aber jeweils einen völlig anderen Zweck und eine andere rechtliche Grundlage.
| Prüfungsart | Wann und von wem | Zweck |
|---|---|---|
| Typprüfung | Einmalig pro Baureihe, beim Hersteller oder in einem Prüflabor | Weist nach, dass eine Konstruktion die Nennwerte nach IEC 62271-1 und den zugehörigen Produktnormen erfüllt |
| Stückprüfung | Bei jeder einzelnen gefertigten Anlage, im Werk vor Auslieferung | Bestätigt die fehlerfreie Fertigung des konkreten Geräts, unter anderem durch dielektrische Prüfung und Widerstandsmessung |
| Inbetriebsetzungsprüfung | Einmalig vor Ort, nach der Montage, vor der ersten Inbetriebnahme | Bestätigt die korrekte Montage und Funktion am Einsatzort, entspricht der Prüfung nach § 8 ESV 2012 |
| Wiederkehrende Prüfung | Regelmäßig während des Betriebs, durch einen befugten Prüfer | Stellt sicher, dass die Anlage weiterhin sicher betrieben werden kann, geregelt in § 9 ESV 2012 |
Typprüfung und Stückprüfung sind Sache des Herstellers und finden statt, bevor eine Anlage das Herstellerwerk überhaupt verlässt. Inbetriebsetzungsprüfung und wiederkehrende Prüfung betreffen dagegen Sie als Betreiber direkt, vor Ort und über die gesamte Nutzungsdauer der Anlage.
Prüfung und Revision von Schaltanlagen durch SKS
SKS unterstützt Betreiber von Nieder- und Mittelspannungsschaltanlagen bei der wiederkehrenden Prüfung, der Leistungsschalter-Revision und der lückenlosen Dokumentation im Anlagenbuch, direkt vor Ort in Ihrem Betrieb.
- Wiederkehrende Prüfung nach ESV 2012, inklusive Prüfprotokoll
- Leistungsschalter-Revisionen für Niederspannungs- und Mittelspannungsanlagen
- Prüffeld für Typ-, Stück- und Inbetriebsetzungsprüfungen
- Beratung zu Prüffristen und Dokumentationspflichten
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss eine Schaltanlage wiederkehrend geprüft werden?
Das hängt von der Betriebsanlagengenehmigung und der zuständigen Gewerbebehörde ab. Für industrielle Großanlagen ist ein Intervall von 2 Jahren üblich, der gesetzliche Höchstwert nach ESV 2012 liegt bei 5 Jahren. Maßgeblich ist der Bescheid Ihrer Behörde.
Was passiert, wenn die Frist zur wiederkehrenden Prüfung überschritten wird?
Die Anlage gilt formal nicht mehr als ordnungsgemäß geprüft, was im Schadensfall zu Problemen mit Versicherung und Haftung führen kann. Zusätzlich drohen Beanstandungen durch die Behörde bis hin zu Betriebseinschränkungen.
Was ist der Unterschied zwischen Typprüfung und Stückprüfung?
Die Typprüfung wird einmalig für eine Baureihe durchgeführt und weist die Konstruktion nach. Die Stückprüfung wird an jedem einzelnen gefertigten Gerät im Werk wiederholt und bestätigt die fehlerfreie Fertigung dieses konkreten Exemplars.
Wer darf eine wiederkehrende Prüfung durchführen?
Die Prüfung ist von einer fachkundigen Person oder einer autorisierten Prüfstelle durchzuführen, die über die notwendige Qualifikation für elektrische Anlagen der jeweiligen Spannungsebene verfügt.