SF6-freie Schaltanlagen: das EU-Verbot, die Alternativen und der Umstieg

SF6-freie Mittelspannungsschaltanlage - SKS Elektroanlagenbau

Seit dem 1. Januar 2026 dürfen neue Mittelspannungsschaltanlagen bis einschließlich 24 kV in der EU nicht mehr mit dem Isoliergas SF6 in Betrieb genommen werden. Hintergrund ist die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573. Für Betreiber, Planer und Industrieunternehmen stellt sich damit die Frage, welche Technologien SF6 ersetzen und was mit bestehenden Anlagen geschieht.

Dieser Beitrag erklärt, warum SF6 reguliert wird, welchen Zeitplan die Verordnung vorgibt, welche SF6-freien Alternativen es gibt und worauf Betreiber bei Bestandsanlagen und Neubeschaffung achten sollten.

Was ist SF6 und warum wird es reguliert?

Schwefelhexafluorid (SF6) wird seit Jahrzehnten als Isolier- und Löschmedium in Schaltanlagen eingesetzt. Es isoliert hervorragend, löscht Lichtbögen zuverlässig und ermöglicht kompakte, wartungsarme Anlagen. Genau diese Eigenschaften haben SF6 zum Standard in der gasisolierten Mittel- und Hochspannungstechnik gemacht.

Das Problem ist die Klimawirkung. SF6 ist das stärkste bekannte Treibhausgas mit einem Treibhauspotenzial (GWP) von rund 24’300 im Vergleich zu CO2 und verbleibt sehr lange in der Atmosphäre. Schon kleine Leckagen wirken daher erheblich. Aus diesem Grund hat die EU den schrittweisen Ausstieg beschlossen.

Der Zeitplan der EU-F-Gase-Verordnung 2024/573

Die Verordnung (EU) 2024/573 ist am 11. März 2024 in Kraft getreten und löst die frühere F-Gase-Verordnung 517/2014 ab. Sie verbietet die Inbetriebnahme neuer SF6-isolierter Schaltanlagen gestaffelt nach Spannungsebene. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Inbetriebnahme, nicht der Bestellung.

SpannungsebeneInbetriebnahmeverbot ab
Mittelspannung bis einschließlich 24 kV (Primär- und Sekundärverteilung)1. Januar 2026
Mittelspannung über 24 bis einschließlich 52 kV1. Januar 2030
Hochspannung über 52 bis einschließlich 145 kV1. Januar 2028
Hochspannung über 145 kV1. Januar 2032

Wichtig: Das Verbot betrifft die Inbetriebnahme neuer Anlagen. Es gibt Ausnahmen, etwa für Anlagen, die nachweislich vor dem 11. März 2024 bestellt wurden, sowie für die Erweiterung bestehender Anlagen, wenn eine SF6-freie Technologie den Austausch der gesamten Anlage erfordern würde. Ab 2035 darf zudem für Wartung und Instandhaltung grundsätzlich nur noch aufgearbeitetes oder recyceltes SF6 verwendet werden.

Welche SF6-freien Alternativen gibt es?

Für die Mittelspannung stehen heute mehrere ausgereifte Technologien zur Verfügung. Welche im Einzelfall passt, hängt von Spannungsebene, Schaltleistung, Platzverhältnissen und Anwendung ab.

Vakuum-Schalttechnik mit Luftisolierung

Die heute wichtigste Alternative kombiniert Vakuum-Leistungsschalter mit einer Isolierung durch saubere Luft (Clean Air, ein Gemisch aus Stickstoff und Sauerstoff). Diese Technik kommt vollständig ohne fluorierte Gase aus und erreicht im Mittelspannungsbereich bis 24 kV mittlerweile Abmessungen, die mit SF6-Anlagen vergleichbar sind.

Feststoffisolierung

Bei der Feststoffisolierung übernehmen feste Isolierstoffe die Aufgabe des Gases. In Kombination mit Vakuumschalttechnik lassen sich damit kompakte, gasfreie Anlagen aufbauen.

Alternative Gase mit niedrigem GWP

Einige Hersteller setzen auf Ersatzgase wie Fluornitrile oder Fluorketone mit deutlich niedrigerem Treibhauspotenzial als SF6. Diese zählen allerdings zu den fluorierten Substanzen und fallen unter die laufende PFAS-Diskussion, weshalb fluorfreie Lösungen wie Vakuum und Clean Air langfristig die robustere Wahl sind.

Vakuum-Schalttechnik als SF6-freie Alternative

Kurz zusammengefasst

Vakuum-Schalttechnik mit Clean-Air-Isolierung ist heute die gängigste fluorfreie Alternative im Mittelspannungsbereich bis 24 kV. Sie vermeidet sowohl das hohe Treibhauspotenzial von SF6 als auch die PFAS-Problematik fluorierter Ersatzgase.

Was passiert mit bestehenden SF6-Anlagen?

Das Verbot betrifft die Inbetriebnahme neuer Anlagen, nicht den Weiterbetrieb. Bestehende SF6-Schaltanlagen dürfen weiterbetrieben werden. Allerdings gelten für sie weiterhin und teils verschärft die Pflichten zu Dichtheitsprüfung, Leckage-Erkennung, Dokumentation und fachgerechter Entsorgung am Ende der Lebensdauer.

  • Weiterbetrieb bestehender SF6-Anlagen bleibt zulässig
  • Regelmässige Dichtheits- und Leckage Prüfungen sind vorgeschrieben
  • Arbeiten an SF6-Anlagen erfordern zertifiziertes Personal, auch bei Ausserbetriebnahme
  • Bei der Entsorgung muss das SF6 fachgerecht abgesaugt und zurückgewonnen werden

Wer in den kommenden Jahren ohnehin eine Erneuerung plant, sollte den Umstieg auf SF6-freie Technik frühzeitig einplanen. Die Nachfrage nach SF6-freien Anlagen ist hoch, und die Lieferzeiten sind teils deutlich gestiegen. Eine vorausschauende Planung verschafft Spielraum.

Retrofit oder Neubau? Die Entscheidung für Betreiber

Für viele Industriebetriebe stellt sich nicht die Frage, ob, sondern wann und wie umgestellt wird. Zwei Wege stehen offen: der gezielte Retrofit bestehender Anlagen oder der Neubau mit SF6-freier Technik. Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom Zustand der Anlage, der Spannungsebene und der verfügbaren Technologie ab.

Als Schaltanlagenbauer mit eigener Fertigung und Servicekompetenz begleitet SKS Elektroanlagenbau Betreiber bei genau dieser Abwägung, von der Bewertung der Bestandsanlage über den Retrofit bis zum Neubau. Wann sich ein Retrofit lohnt und wann ein Neubau die bessere Wahl ist, behandeln wir ausführlich im Beitrag Retrofit oder Neubau von Schaltanlagen.

Beratung zur SF6-freien Umstellung

Sie betreiben SF6-Schaltanlagen oder planen eine Neubeschaffung in der Mittelspannung? SKS Elektroanlagenbau bewertet Ihre Bestandsanlagen und zeigt den technisch und wirtschaftlich sinnvollen Weg zur SF6-freien Lösung auf. Kontaktieren Sie uns für ein Gespräch.

Häufige Fragen zu SF6-freien Schaltanlagen

Ab wann sind SF6-Schaltanlagen verboten?

Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 verbietet die Inbetriebnahme neuer SF6-isolierter Mittelspannungsschaltanlagen bis 24 kV ab dem 1. Januar 2026. Für höhere Spannungsebenen gelten spätere Fristen. Bestehende Anlagen dürfen weiterbetrieben werden.

Welche Alternative gibt es zu SF6?

Im Mittelspannungsbereich ist die Kombination aus Vakuum-Schalttechnik und Clean-Air-Isolierung die gängigste fluorfreie Alternative. Daneben gibt es Feststoffisolierung sowie alternative Gase mit niedrigem GWP, die jedoch unter die PFAS-Diskussion fallen.

Müssen bestehende SF6-Anlagen sofort ersetzt werden?

Nein. Das Verbot betrifft die Inbetriebnahme neuer Anlagen. Bestehende SF6-Anlagen dürfen weiterbetrieben werden, unterliegen aber Pflichten zu Dichtheitsprüfung, Leckage-Erkennung und fachgerechter Entsorgung am Lebensende.

Was kostet der Umstieg auf SF6-freie Technik?

Das hängt von der Spannungsebene, Anlagengröße und davon ab, ob ein Retrofit oder ein Neubau gewählt wird. Eine pauschale Angabe ist nicht möglich. Sinnvoll ist eine Bewertung der konkreten Bestandsanlage und der betrieblichen Anforderungen.


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